Souverän sein heißt nicht, alles zu messen. Es heißt, zu wissen, was man wirklich wissen will, und diese Zahlen selbst zu behalten.
Wenn du heute einen Artikel auf kubitz.net aufrufst, fragt dein Browser nur noch einen fremden Server an. Das ist echte Datensparsamkeit. Google ist dabei rausgeflogen. Was verbleibt ist der Zählpixel der VG Wort, über den gezählt wird, wie oft meine Texte gelesen werden. Alles andere kommt von meinem eigenen Server.
Einfach so: Wenn dir meine Inhalte gefallen, lade mich doch zu einem Kaffee oder einem Glas Wein ein.
Kaffee spendierenBis vor Kurzem war das anders. Beim Umzug von contentman.de auf kubitz.net habe ich aufgeräumt. Der Google Tag Manager ist rausgeflogen, Google Analytics auch. Gezählt wird jetzt mit Koko Analytics, einem kleinen Plugin, das direkt in meiner WordPress-Installation läuft.
Und dann habe ich mich gefragt, was mir jetzt eigentlich fehlt. Denn vorher habe ich mit Google Analytics ungefähr alles gezählt, was zählbar ist.
Wofür habe ich Google Analytics eigentlich genutzt?
Die ehrliche Antwort ist kurz. Ich habe geschaut, wie viele Menschen auf welche Seiten kommen. Das war es.
Google Analytics kann sehr viel mehr: Zielgruppen, Geräte, Wege durch die Website, Verweildauer, Conversions, Kampagnen. Ich habe davon so gut wie nichts gebraucht. Ich habe ein Werkzeug für Online-Shops und Konzerne benutzt, um eine einzige Zahl abzulesen.
Ich vermute, so geht es vielen, die bloggen. Man installiert das größte Werkzeug, weil es nichts kostet und alle es haben. Und dann schaut man auf die Besucherzahl von gestern.
Was hat mich das gekostet?
Geld nicht. Bezahlt habe ich trotzdem, nur eben anders.
- Mit Einwilligungen. Google Analytics setzt Cookies und schickt Daten an Google. Dafür muss ich dich vorher fragen. Ein großer Teil meines Cookie-Banners war nur für diese eine Statistik da.
- Mit Daten, die ich nicht selbst habe. Google weiß über meine Leser:innen mehr als ich. Und was Google damit macht, entscheidet Google.
- Mit einer Rechtsgrundlage, die wackelt. Daten in die USA fließen derzeit auf Basis des EU-US-Datenschutzrahmens von 2023. Das EU-Gericht hat eine Klage dagegen im September 2025 abgewiesen, das Rechtsmittel liegt beim Europäischen Gerichtshof (heise). Die beiden Vorgänger, Safe Harbor und Privacy Shield, hat der EuGH gekippt.
Ich bin kein Jurist, und das hier ist keine Rechtsberatung. Aber ich muss kein Jurist sein, um zu merken, dass ich für eine einzige Zahl ziemlich viel Aufwand getrieben habe.
Was macht Koko anders?
Koko Analytics ist ein Open-Source-Plugin für WordPress. Der Unterschied zu Google Analytics liegt vor allem darin, wo die Zahlen landen.
- Die Daten liegen in meiner eigenen WordPress-Datenbank, auf meinem Server.
- Es braucht keine Cookies, um zu zählen.
- Es geht nichts an Dritte, kein Google, kein Werbenetzwerk.
- Gespeichert werden nur zusammengefasste Zahlen, keine einzelnen Besucher:innen.
Was ich dafür bekomme, ist überschaubar. Seitenaufrufe, Besucher, die beliebtesten Seiten und die Seiten, von denen Leute zu mir kommen. Länder, Geräte und Kampagnen gibt es nur in der kostenpflichtigen Pro-Version.
Für meine eine Zahl reicht das. Und der Cookie-Banner ist ein gutes Stück kürzer geworden.
Wer schickt mir eigentlich Leser:innen?
Die Frage, die mich interessiert, hat sich verschoben. Früher hieß sie: Wie viel kommt von Google? Heute schickt Google ohnehin weniger Menschen auf Websites, weil es immer öfter selbst antwortet. Spannender finde ich deshalb, wer mich verlinkt, wer mich weiterempfiehlt, wo ich gelesen werde.
Das zeigt Koko, zumindest zum Teil. Die verweisenden Seiten stehen im Dashboard. Allerdings nur, wenn der Browser mitliefert, woher jemand kommt. Und das passiert seltener, als man denkt. Wer einen Link in einer Newsletter-Mail anklickt, in einem Messenger oder in mancher Social-Media-App, kommt oft ohne Herkunftsangabe bei mir an.
Wer das genauer wissen will, markiert seine Links selbst, etwa mit UTM-Parametern wie ?utm_source=newsletter. Koko wertet die seit Mai 2026 aus, allerdings nur in der Pro-Version (Koko).
Ich finde, das gehört dazu. Souverän mit den eigenen Zahlen umzugehen heißt auch, ihre Lücken zu kennen.
Ist das jetzt Souveränität?
Nicht ganz. Auch Koko ist eine Abhängigkeit. Es ist ein kleines Projekt, das jemand pflegen muss. Meine Website liegt bei einem Hoster, und der Zählpixel der VG Wort ist auch noch da.
Der Unterschied liegt woanders. Wenn Koko morgen verschwindet, liegen meine Zahlen immer noch in meiner Datenbank. Und ich weiß bei jeder Anfrage, die meine Website an fremde Server schickt, warum sie das tut.
Vermutlich ist das die realistische Form von Souveränität im Netz. Nicht alles selbst machen, aber wissen, was man abgegeben hat. Und sich bei jedem Werkzeug fragen, ob man es wirklich braucht.
Wenn du das für deine eigene Website wissen willst, öffne sie im Browser und drücke F12, am Mac Cmd+Option+I. Im Reiter „Netzwerk“ siehst du nach einem Neuladen jeden Server, den deine Seite anfragt. Bei mir ist es noch einer. Und den kenne ich mit Namen.


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